Claus

Interview zum Jubiläum

Seit 50 Jahren im Einsatz für Reformhäuser und Bioläden. Dank Ihnen.

Baden-Baden, den 14.1.2014: Im Gespräch mit Sonja (74) und Heinz Claus (74), die vor 50 Jahren das Unternehmen Claus Reformwaren gründeten.

Guten Morgen Herr Claus, wo haben Sie Ihre Frau gelassen?

Heinz Claus: Ach, die kommt wie immer zu spät, weil sie ihr Frühsport-Programm niemals ausfallen lassen würde.

Sollen wir ohne Ihre Frau mit dem Interview beginnen?

Heinz Claus: Können wir schon, aber sie wird vieles besser in Erinnerung haben und mir in mancherlei widersprechen. Aber ich kann ja schon mal erzählen, wie das vor 1964 war, wie ich überhaupt in die Reformwaren-Branche kam.

Ja, gerne.

Heinz Claus: Begonnen habe ich als angestellter Lieferant bei einer Firma, die damals alle 400 Reformhäuser in Nordrhein-Westfalen mit Waren belieferte.

Wie kamen Sie nach NRW? Sie sind doch ein waschechter Badenser?…

Heinz Claus: Ich stamme aus einfachen Verhältnissen und arbeitete damals als Tankwart in Baden-Baden. Einmal fragte mich ein ziemlich nobler Herr, der öfter zu mir tanken kam und wohl recht zufrieden war mit meinen Diensten, ob ich nicht für ihn arbeiten möge und Honig und andere Reformwaren ausfahren wolle – allerdings in NRW. Es gäbe ein gutes Gehalt. Da sein Geschäft ordentlich zu laufen schien – er hatte ein modernes Auto – sagte ich kurzerhand zu.

…und Sie gingen nach Düsseldorf, um Reformwaren auszufahren. Kannten Sie Ihre zukünftige Ehefrau da schon?

Heinz Claus: Ja, natürlich! Sie war der eigentliche Grund, warum ich mich entschloss das zu wagen. Ich hatte sie gerade erst kennen gelernt. Sie war eine Versicherungskauffrau und ich wollte ihr auch etwas bieten können. Als Tankwart wär das nichts geworden.

Ihre Rechnung scheint aufgegangen zu sein. Sie haben 1962 geheiratet. Zwei Jahre später gründeten Sie gemeinsam mit Ihrer Ehefrau eine Firma, die in Süddeutschland 230 Reformhäuser belieferte.

Heinz Claus: Das war aus purer Existenznot. Ich wollte eigentlich viel lieber weiter angestellt sein. Meine Frau erwartete außerdem unser erstes Kind. Da bevorzugt man Sicherheit. Aber ich musste mich damals beruflich umorientieren und mir blieb erstmal nichts anderes übrig als mich mit Hilfe guter Kontakte, die ich natürlich in der Branche schon hatte, selbstständig zu machen.

Aber es lief doch gut?

Heinz Claus: Na ja, am Anfang lebten wir ausschließlich von der Provision, die wir für jede Bestellung erhielten. Und wir hatten nur rund 50 Produkte im Programm. Als wir die Handelsvertretung für die gesamte Region bekamen, lief es schon besser.

Ah, Frau Claus, guten Tag, ihr Mann erzählt gerade von Ihren Anfangsschwierigkeiten bei der Firmengründung.

Sonja Claus: Ach herrje! Stimmt! Zu allem Überfluss ist uns doch gleich zu Beginn der erste Lieferwagen abgebrannt und die Produkte sind alle geschmolzen. Ich hatte solche Angst um dich als ich stundenlang wartete und du erst mitten in der Nacht kohlrabenschwarz vor der Tür gestanden hast!

Heinz Claus: Oh ja, das war ein herber Rückschlag damals, den wir aber schnell wegsteckten. Musste ja weiter gehen.

2010 haben Sie einen weiteren schweren Schaden erlitten. Es brannte Ihr gerade neu gebautes Lager ab.

Heinz Claus: Auf 10 Millionen Euro belief sich der Schaden. Die Versicherung übernahm nur einen Teil. Ohne den unglaublichen Einsatz unserer Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten hätte das Unternehmen dieses Drama so nicht überlebt.

Aber ansonsten können Sie auf 50 Jahre erfolgreiche Unternehmensentwicklung zurückblicken. Inzwischen gehören Sie zu den größten Vollsortimentern und Großhändlern für Reform- und Naturwaren sowie für Bio-Produkte. Sie sind in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz aktiv, haben einige regionale Großhändler einschließlich der Mitarbeiter übernommen, sowie die eigene Bio-Marke Pural zum Erfolg geführt und die zertifizierte Naturkosmetikmarke Eubiona aufgebaut.

Heinz Claus (tippt seine Frau an): Da hörsch! So gut sind mir!

Sonja Claus: Ja, ja, ja… also manchmal war es mir schon Angst und Bange. Was der andauernd für Ideen hatte! Ständig kam er mit was anderem an. Und mir hat er dann vorgeworfen, dass ich immer die Bremserin sei.

Heinz Claus: Also meine Frau war von uns Beiden die Umsetzerin und Finanzministerin. Sie hat mich zur Vernunft gerufen, wenn ich wieder begeistert was Neues aufgetan habe. Das mein ich bloß mit Bremserin.

Diese Arbeitsteilung hat sich doch ausgezahlt. Das Unternehmen Claus beschäftigt heute 330 Mitarbeiter. Auch die Krise der Reformhäuser haben Sie gut überstanden.

Heinz Claus: Stimmt, die Claus GmbH hat sich gegen den allgemeinen Branchentrend der Reformhäuser positiv entwickelt. Das ging aber nur deshalb gut, weil wir – als es mit den Naturkostgeschäften anfing – auch diese mit Bio-Produkten beliefert haben. Damit machte ich mir in der Reformhaus-Szene keine Freunde und wurde ziemlich kritisiert, weil sie die Bio-Branche als Konkurrenz sahen. Inzwischen hat sich die Situation etwas entspannt. Was zählt sind doch einfach nur gute Fachgeschäfte, die einen Bruchteil des riesigen konventionellen Lebensmittelmarktes ausmachen und deshalb zusammen halten sollten. Wir haben aktuell über 18.500 Produkte, wovon mehr als 90 % Bio-zertifiziert sind. Was spricht dagegen, sowohl die Reformhäuser – hier gibt es noch einige Spezialprodukte, die der Bio-Markt nicht führt – als auch die Naturkostläden zu beliefern?

Sonja Claus: Da muss ich meinem Mann jetzt mal Recht geben.

Frau Claus, Herr Claus, danke für das Gespräch.

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